Wie die Überschrift vermuten lässt, machen wir einen Zeitsprung.

Die Freiwillige Feuerwehr Burgdorf hat von einem Feuerwehrwettkampf, welcher bei der Weltausstellung 1911 in Turin stattfinden soll, gehört. Auf den ersten Blick ist das erst mal keine alt zu große Sache. Schnell finde ich im passenden Routenplaner die Entfernung zwischen Burgdorf und Turin. 1090 km sollen das heute mit dem Auto sein und die Fahrt so um die 11 Stunden dauern. Die Bahnverbindung wiederum wird mit ca. 12 Stunden angegeben. Hier ist aber der erste Denkfehler. Im Burgdorf von 1911 gab es kein Internet. Auch das erste Feuerwehrauto, welches in Burgdorf fuhr, ein Audi M, wurde erst 1934 in Dienst gestellt. Bleibt also die Bahn als Mittel der Fortbewegung. Hier stellt sich ein ganz anderes Problem. Die Reichsbahn wurde erst 1919 gegründet und der Langstreckenreisende musste sich mit gleich mehreren Bahngesellschaften auseinandersetzen. Wenn ich mir dann noch vorstelle, dass besagte Züge auch noch an fast jeder Milchkanne angehalten haben, gehe ich mal ganz stark davon aus, dass die heute angegebene Reisezeit von ~12 Stunden wohl kaum eingehalten werden konnte. Zu guter Letzt bleibt noch die Frage der Finanzierung. Hier gibt es auf die Schnelle keine wirklich sichere Antwort, nur soviel sei gesagt „Es war bestimmt nicht billig“

Aber weil wir das Jahr 1911 schreiben und nicht nur das Deutsche Reich, sondern auch die Freiwillige Feuerwehr Burgdorf gerade mal 40 Jahre alt sind , wollen sich sieben Burgdorfer Feuerwehrmänner auf den Weg machen, um in Italien ihr Bestes zu geben.

Diese sieben waren:

Hauptmann Oskar Müller

Zugführer Friedrich Tamme

Gruppenführer Henry Bauer

und die Mannschaften Georg Jacobsohn, Heinrich Katenhusen, Herrmann Klopp und Paul Rudloff,

 

Dazu schrieb das Burgdorfer Kreisblatt:

Lokales und aus dem Kreise.

Burgdorf, den 26.August 1911

An der anlässlich der Welt-Ausstellung in Turin (Italien) veranstalteten internationalen Feuerwehr – Konkurrenz beteiligte sich auch eine Abteilung der hiesigen Feuerwehr. Außer 55 italienischen Wehren nahmen 31 freiwillige und Berufsfeuerwehren aus Österreich-Ungarn, Frankreich, Schweiz, England und Deutschland an der Konkurrenz-Übungen teil. Es gelangten an die ausländischen 31 Wehren 3 goldene, 2 silberne und 6 bronzene Medaillen zur Verteilung. Außerdem wurde den mit Medaillen preisgekrönten Wehren je ein Ehrenpreis überreicht. Die feierliche Preisverteilung wurde auf der Ponte Monumentale neben der deutschen Ausstellung vorgenommen. Auf einer erhöhten Balustrade nahmen die Führer der in- und ausländischen Wehren mit ihren Fahnen, auf dem Platze sämtliche Wehren Aufstellung. Nach einer Ansprache gab der Präsident des Preisgerichts das Resultat bekannt. Der freiwilligen Feuerwehr Burgdorf wurde unter Beifallsklatschen, der nach tausenden zählenden Feuerwehrleute, ein wertvoller Ehrenpreis überreicht. Außerdem wurde der Wehr die silberne Medaille zuerkannt und dem Führer der Wehr ebenfalls eine silberne Medaille verliehen. Wenn man berücksichtigt, dass die meisten ausländischen Wehren mit 20-40 Mann in Konkurrenz traten, während die Burgdorfer Wehr mit nur 7 Mitgliedern sich an dem Wettstreit beteiligte, so kann man der hiesigen Wehr zu dem Erfolge nur gratulieren. Nach dem Urteil der anwesenden Führer größerer russischer und österreichisch-ungarischer Wehren, ist dieser Erfolg in erster Linie, im Gegensatz zu verschiedenen französischen Wehren, auf die exakte Ausführung der Übung und das ruhige Verhalten der Mannschaft zurückzuführen.

Der Erfolg ist um so bemerkenswerter, als die hiesige Wehr als einzige deutsche freiwillige Feuerwehr an der Konkurrenz teilnahm. Hatten die Teilnehmer auch sehr unter der Hitze zu leiden, so war die Aufnahme doch eine überaus freundliche. Bei Ankunft in Turin spielte die Musik die deutsche Nationalhymne und nicht nur der deutsche Konsul Herr von Küllmer, sondern besonders der Vorsitzende des deutschen Klubs Herr Küper haben sich der Teilnehmer in überaus herzlicher Weise angenommen. Der Führer der hiesigen Wehr, Hauptmann Müller, konnte deshalb bei dem offiziellen Festbankett, zu dem die Führer der ausländischen Wehren vom Oberbürgermeister von Turin eingeladen waren, dieser freundlichen Aufnahme und dem Danke dafür besonders Ausdruck verleihen. Auch die übrigen Kameraden wurden seitens der Stadt Turin festlich bewirtet. Ebenso folgten die Teilnehmer der freundlichen Einladung des Vorsitzenden des deutschen Klubs zu einem deutschen Bierabend im Münchner Bürger-Bräu der Ausstellung. Waren die Tage für die Teilnehmer an der Fahrt auch anstrengende, so können sie doch mit Befriedigung auf den Erfolg und in angenehmer Erinnerung auf das in Turin und auf der Reise durch die Schweiz Gesehene zurückblicken. Mit der Wehr wird sich auch unsere Einwohnerschaft darüber freuen, dass die hiesige Wehr die Stadt Burgdorf und unser deutsches Vaterland in so würdiger Weise vertreten hat. Der auf einem Marmorblock ruhende ca. 40 cm hohe Ehrenpreis (im Schaufenster von G.W.Müller ausgestellt) ist künstlerisch aus Bronze gefertigt. Auf einem erhöhten Sockel steht, das Wappen Turin darstellend, ein bekränzter Stier, über dem die Siegesgöttin schwebt, in der Hand einen Lorbeerzweig haltend. Das Ganze wird bekrönt durch zwei an den Seiten angebrachte Lorbeerbäume, aus deren Geäst ein Pokal gebildet ist.

 

Wie unsagbar Stolz müssen diese Männer gewesen sein, als sie diesen Pokal nach dem Wettkampf in den Händen hielten und diesen dann später in ihrer Heimatstadtvorzeigen konnten.

Damals befand sich das Feuerwehrhaus noch in der Straße „Vor dem Hannoverschen Tor“ (neben dem Finanzamt). Da es in diesem Gebäude wohl keine Möglichkeit gab, diesen Pokal in einem Gemeinschaftsraum zu präsentieren, muss dieser wohl von einem der Teilnehmer mit nach Hause genommen worden sein.

Nach mehreren Standortwechseln des Feuerwehrhauses verlor sich mit der Zeit auch der Pokal.

Ende 2017 bekam dann die Kulturabteilung der Stadt eine Anfrage von Antiquitätenhändler Herrn Plate aus dem Münsterland. Diese Anfrage wurde von Herrn Stefan Heuer an die Feuerwehr weitergereicht.

Durch die Unterstützung von Alfred Brönnemann, Matthias Paul, Armin Pollehn und Klaus Volkmann, haben wir dieses Relikt letzten Mittwoch beim Übungsdienst wieder zurück erhalten.

Infos im Internet: https://de.wikipedia.org/wiki/Weltausstellung_Turin_1911